Statements

Zur Sendung vom 29.11.2010 (Fakt ist...!)

In unserer Mediengesellschaft ist es als Masthuhn oder -schwein nicht
ganz einfach, abseits der Kuschelsendungen ins Fernsehen zu gelangen.
Dies zeigt, wie dringend diese Problematik auch den Menschen inzwischen
geworden ist, da die Erkenntnis wächst, dass deren Leid auch massiv
Einfluss auf unser Wohlbefinden hat.

Ungewohnt darin die Gegenüberstellung der Berufskampfhähne und
Vertreter "Arme Hühner". Das Engagement des Schauspielers Thomas Rühmann ist

hervorzuheben, insbesondere da er deutlich machte, dass ein
Paradigmenwechsel stattfindet hin zu Größenordnungen, die neu sind und
in eine Richtung, weshalb wir eigentlich froh waren, dass die Wende vor 20
Jahren
diese beendet hatte. Der Präsident des Tierschutzbundes war zwar
rührig, brachte aber trotz des Titels der Sendung wenig Fakten und
verschenkte so Potenzial. Anders die Gegenseite.

Kampfhahn Rehhahn gibt im normalen Leben holländischen Großinvestoren
Tipps, wie
das Auslaufmodell Massentierhaltungsanlagen verkauft wird, das in
Holland längst keiner mehr haben will. Diese sollen nun in
Richtung Osten, also auch bei uns in Sachsen-Anhalt verscherbelt werden
wie früher alte Autos. Herr Aeikens, vormals in gleichen Amt in
Niedersachsen hat die Bewegung Richtung Ost ebenso mitgemacht und gibt
entsprechend politische Unterstützung und Fördergelder. Sie schöpfen
aus langjähriger Erfahrung im Lobbyistentum und der Verbreitung von
verzerrten Wahrheiten. Entsprechend ihr arrogantes Auftreten über die
Argumente der Bürger hinweg. Der aufmerksame Zuschauer sieht deutlich
die Dollarzeichen in ihren Augen blitzen.

Dagegen musste der praktizierende Biobauer aus St.Beyendorf blass
wirken. Sein Mut ist nicht hoch genug zu loben, direkt und live im
ungewohnten Filmmetier diesen Männern gegenüber zu treten, im Rucksack
nur das Engagement für die Tiere. Ausser ihm gab es nur eine 2.
Bürgerstimme. Nur Frau Siegel aus Stemmern war überhaupt noch akustisch
verkabelt worden, aber auch ihre Stimme wurde nach 45 Sekunden Redezeit
gekappt.

Kaum ein Dorf wird verschont von den Folgen alten Fortschrittsdenkens
"größer, billiger". Die Betreiber hängen an der Börse am Zwang zu
Wachstum, was sich mit den meisten Bereichen insbesondere Tierhaltung
nicht mehr vereinbaren lässt. Die Sicherheit solcher Anlagen bleibt dabei
ein unwägsames Kalkül. Mit der Größe wächst die Komplexität und
entsprechend deren Anfälligkeit. Dies geht uns alle an, denn es geht um
unsere Gesundheit und Lebensqualität. Wieso sollten wir diese für die
Profitinteressen einiger weniger aufs Spiel setzen?

Sind wir wegen der Prognosen zum demografischen Wandel ("leere"
Landschaften im Osten) schon restlos abgeschrieben bei der Politikerkaste?
Uns von der Bürgerinitiative geht es jedenfalls nicht nur um Tierschutz. Uns
geht es vorrangig um die Menschen hier:
1.) Multiresistente Krankenhauskeime sind heute als ernste Bedrohung erkannt
worden, warum darf nicht über die Häufung solcher Resistenzen bei
Viehmästern und ihren Familien ("La-MRSA") diskutiert werden?
2.) Feinstaubbelastung in Städten ist jedem Autofahrer mittels
Plakettenzwang ins Bewußsein gebracht worden. Was ist mit Hühnertrockenkot?
Wie weit reicht die Luftverseuchung in sehr trockenen Gegenden wie der
Magdeburger Börde und kann man hier die gleichen Grenzwerte akzeptieren, wie
im regnerischen Emsland, wo jede Luftverschmutzung lokal ausgewaschen wird?
3.) Unzuverlässigkeit des Anlagenbetreibers wäre für jede Industrieanlage
ein k.o.-Kriterium. Ein "Landwirt", der sich schon mehrfach als
Umweltschädling betätigt hat aber immer von den zuständigen Behörden gedeckt
wird, sollte ebenfalls an dieser Messlatte gemessen werden.
4.) Hähnchenmastanlagen werden typischerweise mit industriellem sterilem(!)
Futter (Ursprung Südamerika) versorgt. Was hat das mit Landwirtschaft zu
tun? Warum deckt die Politik den Missbrauch des Landwirtschaftsprivilegs im
Baurecht durch solche Industrieanlagen?
5.) Man sollte hohen Beamten grundsätzlich verbieten, ihr im Amt gewonnenes
Insiderwissen später als Berater zu verkaufen. Jede Verordnung und jedes
Gesetz lässt sich nach herrschendem Rechtsbewusstsein aushebeln. Aber warum
sollen wir als Volk auch noch die Weiterbildungskosten solcher Berater
tragen?
6.) Wenn die gesetzlichen Auflagen für Großanlagen dem Investor zu hoch
sind, werden eben mehrere Firmen am gleichen Standort gegründet und das
Projekt auf Kleinanlagen mit geringeren Auflagen verteilt. Und da soll man
noch Vertrauen in die unbestechliche Arbeit "unserer" Behörden haben?
7.) Wie viele Bürger sollen noch wegziehen aus Sachsen-Anhalt? Die Arroganz
von Ex-Minister Rehhahn ist wirklich kaum zu überbieten! Kennt er keinen
Wochenpendler, der es sich nie leisten kann, sein Haus hier zu verkaufen um
sich im Westen ein neues zu kaufen, weil der Immobilienpreis auch ohne
Mastanlage schon im Keller ist und die Schulden nicht durch den Verkauf zu
decken sind?
Diese Auflistung ist nicht vollständig, leider.