Torgauer Zeitung




Welsau
(TZ). Der Welsauer Landwirt Gerard Tonkens plant eine Millioneninvestition und will in der Gemeinde eine Hähnchenmastanlage mit rund 350 000 Tieren errichten. „Ich bin gerade erst dabei, eine Tischvorlage für alle Behörden zu erarbeiten. Die Einwohner sollen in einer öffentlichen Ratssitzung am 26. Oktober über das Vorhaben informiert werden. Wir stehen aber erst ganz am Anfang“, so Gerard Tonkens. Eine ganze Reihe von Überlegungen haben ihn veranlasst, eine solche Investition anzustrengen. „Wir betreiben derzeit einen reinen Ackerbaubetrieb, wollen künftig auch auf den Bereich Viehzucht setzen. Beides gehört zusammen. Wir produzieren Getreide, das wir an die Hähnchen verfüttern könnten. Der Mist wird dringend als wertvoller Dünger gebraucht. Dazu möchten wir eine Biogasanlage bauen, in der man den Mist vergären könnte, sodass das Abprodukt am Ende völlig geruchlos ist, wenn es auf die Äcker gelangt. Es entstehen Strom und Wärme. Die Wärme wiederum wird zum Beheizen der Hähnchenställe genutzt. Das ergibt einen kompletten Kreislauf“, erklärt der Welsauer.

Rund fünf bis sechs Millionen Euro würde die komplette Anlage einschließlich Biogasanlage kosten. Etwa zehn Arbeitsplätze könnten entstehen. Tonkens hat einen Standort zwischen Welsau und Zinna etwas außerhalb ins Auge gefasst, der seiner Ansicht nach genügend weit entfernt ist, sodass sich niemand vor Gestank fürchten brauche. „Wir wollen niemanden belästigen“, spricht der Investor ein sensibles Thema an. Konkret wurde eine Fläche ausgewählt, die sich an einem Weg befindet, der von der Betonstraße Welsau-Süptitz in Richtung „Österreicher“ führt. Sechs Ställe seien zu errichten. Das Areal wird bisher als Ackerland genutzt. „Nach Großvieheinheiten umgerechnet entspricht das Ganze einem Stall mit 500 Kühen“, meint der Landwirt. Zehn Jahre lange habe er Hühnertrockenkot aus Holland importiert, um seine Flächen zu düngen. Der Kot stammte nicht aus Biogasanlagen, war daher auch recht geruchsintensiv.

Mittlerweile sei der Preis für diesen Dünger rapide gestiegen, die Einfuhr zu teuer. „Der Transport von 3000 Tonnen Trockenkot aus Holland fällt somit weg. Das kommt ja auch der Umwelt zu Gute. Ebenso brauchen wir die 6000 Tonnen Getreide, die wir produzieren, nicht mehr verkaufen, können sie selber verfüttern – womit auch wieder Transportwege wegfallen. Nur das Hähnchenfleisch ist dann nach Berlin oder Mockrehna zu bringen“, lautet seine Information. Hähnchenfleisch sei inzwischen sehr beliebt. „Der Konsum in Deutschland ist gestiegen, in den letzten fünf Jahren allein um 20 Prozent. Wir importieren jedes Jahr 400 000 bis 600 000 Tonnen Hühnerfleisch. Da frage ich mich: Warum machen wir das nicht selbst, noch dazu, wo wir das Futter besitzen“, so Gerard Tonkens. In den nächsten Wochen und Monaten will er alle Skeptiker und Bedenkenträger versuchen, mit seinen Argumenten zu überzeugen.

Ein langwieriges und strenges Verfahren nach BImSch (Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen) ist notwendig, zahlreiche Träger öffentlicher Belange müssen ihre Zustimmung geben. „Der Bau wird daher sicher nicht vor Ende 2012 fallen. Eventuell kann mit der Errichtung der Biogasanlage schon eher begonnen werden“, meint der Investor. Bürgermeisterin Karin Knorscheidt bestätigte, dass Gerard Tonkens bei der nächsten Ratssitzung am 26. Oktober anwesend sein wird und die Abgeordneten im Punkt „Sonstiges“ informieren will. „Wir werden uns dann erst eine Meinung bilden“, lautete ihr Statement.